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Fern­wär­me­netz als Mo­der­ni­sie­rungs­maß­nah­me - Dul­dungs­pflicht des Mie­ters?
Geschrieben von: Rechtsanwalt Karaman   
Dienstag, den 16. Februar 2010 um 19:48 Uhr

Der BGH hat sich mit Urteil vom 24.09.2008 mit der Fra­ge be­schäf­tigt, ob der An­schluss ei­ner Woh­nung an das aus An­la­gen der Kraft-Wär­me-Kopp­lung ge­speis­te Fern­wär­me­netz ei­ne Mo­der­ni­sie­rungs­maß­nah­me dar­stellt, zu de­ren Dul­dung der Mie­ter nach § 554 Abs. 2 BGB ver­pflich­tet ist.

 

Die Woh­nung des Mie­ters war mit ei­ner Ga­se­ta­gen­hei­zung aus­ges­tat­tet. Der Ver­mie­ter woll­te das al­te Mehr­fa­mi­li­en­haus an das Kraft-Wär­me-Kopp­lung ge­speis­te Fern­wär­me­netz an­schlie­ßen. Der Mie­ter hat sich da­ge­gen ge­wehrt, woraufhin es zu ei­ner ge­richt­li­chen Aus­ei­nan­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en gekommen ist. Der BGH hat nun ent­schie­den, dass der Anschl­uss der Woh­nung an Kraft-Wär­me-Kopp­lung ge­speis­te Fern­wär­me­netz ei­ne Maß­nah­me zur Ein­spa­rung von Ener­gie ist, die der Mie­ter nach § 554 II 1 BGB grund­sätz­lich zu dul­den hat. Dies fü­hre zu ei­ner Er­spar­nis an E­ner­gie zur Er­zeu­gung von Wär­me für Hei­zung und Warm­was­ser im Ver­gleich zu der vor­han­de­nen Gas­te­ta­gen­hei­zung.

 

Der Mie­ter brau­che ei­ne sol­che Maß­nah­me nur dann nicht zu dul­den, wenn sie für ihn, sei­ne Fa­mi­lie oder ei­nen an­de­ren Haus­halt­san­ge­hö­ri­gen ei­ne nicht zu recht­fer­ti­gen­de Här­te be­deu­ten wür­de (§ 554 II 2 bis 4 BGB). Im Rah­men die­ser In­te­res­sen­ab­wä­gung wird näm­lich das fi­nan­ziel­le In­te­res­se des Mie­ters, ei­ner evtl. un­zu­mut­ba­ren Er­hö­hung der Mie­te oder der Be­triebs­kos­ten ge­gen­über zu ste­hen, ge­schützt.

 

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te jedoch der Ver­mie­ter auf ei­ne mo­der­ni­sie­rungs­be­ding­te Miet­er­hö­hung nach § 559 BGB ver­zich­tet, obwohl er die Mög­lich­keit ei­ner Miet­er­hö­hung un­ter Be­rück­sich­tung der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te hatte. Die­se Mie­ter­höhung spie­lt je­doch bei der Här­te­klau­sel des § 554 II BGB kei­ne Rol­le, so der BGH.

 

Da­mit hat der BGH noch ein­mal klar­ge­stellt, dass hier ei­ne um­fas­sen­de In­te­res­sen­ab­wä­gung zwischen der Par­tei­en statt­zu­fin­den hat. Der Mie­ter sei nicht völ­lig schutz­los ge­stellt. Es müs­sen je­doch ge­wis­se Um­stän­de vor­lie­gen, die zu ei­ner Un­zu­mut­bar­keit für den Mie­ter füh­ren. Nur in die­sen Fäl­len braucht der Mie­ter die Mo­der­ni­sie­rungs­maß­nah­me nicht zu dul­den.

 

Be­ach­tet wer­den soll­te in die­sem Zu­sam­men­hang noch die Ver­pflich­tung des Ver­mie­ters, eine anstehende Mo­der­ni­sie­rungs­maß­na­hme dem Mie­ter recht­zei­tig mit­zu­tei­len und die Mög­lich­keit des Mie­ters, in diesem Falle den Mietvertrag außerordentlich zu kündigen.